Die Gefahr einer Radikalisierung – sei es durch Rechtsextremismus, Linksextremismus oder Islamismus – ist besonders groß, wenn das Bewusstsein und Wissen dafür fehlen. Umso wichtiger ist es, dass Lehrerinnen und Lehrer für diese Thematik sensibilisiert und geschult werden. Armin Schwarz, Hessischer Minister für Kultus, Bildung und Chancen, und Prof. Dr. Roman Poseck, Hessischer Minister des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, haben sich bei der Lehrkräfte-Fortbildung zu sogenannten Netzwerk-Lotsinnen und Netzwerk-Lotsen an diesem Mittwoch in der Frankfurter Goetheschule über die Präventionsarbeit in der Schule ausgetauscht.
„Extremismus, egal welcher Form, ist eine wachsende Gefahr für unsere Gesellschaft und unsere demokratischen Werte. Umso wichtiger ist es, dass unsere speziell geschulten Lehrkräfte sich entsprechendes Wissen aneignen, um mit ihrer Expertise Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu sensibilisieren, Vorfälle kompetent einordnen und angemessen handeln zu können. Mit ihrer Arbeit unterstützen sie Lehrkräfte und Schulgemeinden, Schule als Orte des Respekts, der Toleranz und des wertschätzenden Miteinanders zu bewahren. Hessen setzt damit ein klares Zeichen: Hass und Ausgrenzung haben an unseren Schulen keinen Platz“, betonte Schwarz.
Initiative zur Wertevermittlung
Seit diesem Schuljahr gibt es an hessischen Schulen zudem die Initiative zur Wertevermittlung, um einer Spaltung in den Klassenzimmern entschieden entgegenzutreten – mit einem klaren Gerüst an Werten, die Orientierung geben und den Zusammenhalt stärken.
„In diesen herausfordernden Zeiten, in denen unsere Gesellschaft immer mehr polarisiert, ist es unerlässlich, frühzeitig gegen Radikalisierung und Extremismus vorzugehen. Schulen spielen dabei eine zentrale Rolle, denn sie sind die Orte, an denen wir unseren Kindern und Jugendlichen die Werte von Toleranz, Respekt und Demokratie vermitteln. Extremismus in all seinen Formen – ob rechtsextrem, linksextrem oder islamistisch – stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Stabilität unserer Demokratie dar. Aus diesem Grund fördern wir mit dem Landesprogramm ‚Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus‘ seit 2015 gezielte präventive Maßnahmen, die auch an den Schulen ansetzen. Wir wollen junge Menschen frühzeitig für demokratische Werte sensibilisieren und extremistischen Tendenzen entgegenwirken. Diese Projekte sind ein wichtiger Beitrag, um das Vertrauen in unsere Demokratie zu stärken und die nächste Generation zu mündigen, verantwortungsbewussten Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen, führte Poseck aus.
Das im Herbst 2018 initiierte Fortbildungs- und Austauschprojekt der „Netzwerk-Lotsinnen und Netzwerk-Lotsen“ für hessische Schulen unterstützt Lehrkräfte sowie Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, indem es sie in ihrer Präventionsarbeit schult und für die verschiedenen Formen der Radikalisierung sensibilisiert. Ziel ist es, sie zu befähigen, im Schulalltag bei Fragen und Konfliktfällen mit extremistisch oder antisemitisch motiviertem Verhalten direkt zu handeln. Zudem werden die Lotsinnen und Lotsen pädagogisch fortgebildet und in den Verlauf von Radikalisierungen sowie den unterschiedlichen Ausprägungen von Extremismus geschult.
Verbreiten Schülerinnen und Schüler extremistische Ideen im schulischen Umfeld, weiß eine geschulte Lehrkraft genau, woran diese zu erkennen sind, welche pädagogischen Maßnahmen eingeleitet werden sollen und welche externen Stellen gegebenenfalls miteinzubeziehen sind. Die geschulten Netzwerklotsinnen und Netzwerklotsen sind auch dafür vorbereitet.