Gruppe junger Lehramtsstudenten vor einer Tafel.

Allgemeine Einstellungschancen in den hessischen Schuldienst

Stand: Januar 2024

Einstellungen in den hessischen Schuldienst werden im Rahmen der verfügbaren Stellen und Mittel, nach dem schulischen Fachbedarf sowie nach Befähigung, fachlicher Leistung und Eignung der Bewerberinnen und Bewerber vorgenommen. Der größere Anteil der Stellen wird über das landesweite Ranglistenverfahren vergeben, ein kleinerer Anteil über schulbezogene Stellenausschreibungen.

Die persönlichen Einstellungschancen steigen,

  • je besser die eigenen Prüfungsnoten sind,
  • je geringer die Konkurrenz von Mitbewerberinnen und Mitbewerbern ist,
  • mit zusätzlichen Fächern oder Lehrämtern,
  • je mehr Unterrichtserfahrung man sammelt (Vertretungsverträge),
  • je flexibler man bezüglich seines Arbeitsortes ist (Bewerbung hessenweit anstatt nur in einem Schulamtsbezirk),
  • je aktiver man die Bewerbungsmöglichkeiten nutzt (Ranglistenverfahren und schulbezogene Stellenausschreibungen),
  • mit gesuchten Zusatzqualifikationen und -interessen (besondere fachliche Kenntnisse und Qualifikationen, EDV, Fremdsprachen, Zusammenarbeit mit Vereinen, etc.).

Die Ausbildung zur Lehrkraft besteht aus einem Lehramtsstudium oder einem lehramtsbezogenen Bachelor- und Masterstudium sowie einem pädagogischem Vorbereitungsdienst (Referendariat) mit jeweils abschließenden Prüfungen. Heutige Studienanfängerinnen und Studienanfänger benötigen für die komplette Ausbildung nach jetzigem Stand im Lehramt an Grundschulen und im Lehramt an Hauptschulen und Realschulen mindestens sechs Jahre, im Lehramt für Förderpädagogik, im Lehramt an Gymnasien sowie im Lehramt an beruflichen Schulen mindestens sieben Jahre.

Bei den nachfolgenden Aussagen zur aktuellen Situation und zu den zukünftigen Einstellungschancen für Studienanfänger ist zu beachten, dass alle Prognosen Unsicherheiten enthalten und dass insbesondere unerwartete gesellschaftliche Entwicklungen (beispielsweise Flüchtlingszuzüge) und politische Entscheidungen, die den Unterrichtsbedarf beeinflussen (beispielsweise Lehrerarbeitszeit, Inklusion, G8/G9, Klassengrößen), zu veränderten Bedarfen führen können.

 

Lehrämter

  • Die Einstellungschancen unterliegen über die Jahre und Jahrzehnte hinweg starken Schwankungen und unterscheiden sich zudem regional. Aufgrund des zuletzt bundesweit stark gesunkenen Angebots an ausgebildeten Grundschulkräften sind sie derzeit hoch, insbesondere im Rhein-Main-Gebiet und in den ländlichen Regionen Nord- und Südhessens.
  • Tendenziell am gesuchtesten sind die Fächer Musik, Sport, Evangelische/Katholische Religion, Kunst, Ethik, und Englisch.
  • Wünschenswert wäre ein höherer Anteil männlicher Lehrkräfte im Bereich Grundschule.
  • Ausblick für Studienanfängerinnen und Studienanfänger:  Aufgrund des seit 2017 stark ausgeweiteten Angebots an Studienplätzen und zu erwartender rückläufiger Schülerzahlen im Grundschulbereich ab 2027/2028 wird dann das Lehrkräfteangebot voraussichtlich über dem Einstellungsbedarf liegen und die Einstellungschancen im Vergleich zu heute sinken – wobei dies regional unterschiedlich stark ausgeprägt sein wird: weiterhin gute bis sehr gute Einstellungschancen im Rhein-Main-Gebiet, aber nur noch mäßige Einstellungschancen in Mittelhessen.

  • Der Bedarf an Lehrkräften für das Lehramt an Haupt- und Realschulen ist aufgrund der demografischen Entwicklung bereits gestiegen und wird in den nächsten Jahren weiter steigen.
  • Die Einstellungschancen bewegen sich schon jetzt auf einem guten Niveau; sehr gut sind sie in den Fächern Englisch, Mathematik, Biologie, Physik, Chemie, Kunst und Musik.
  • Ausblick für Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Die Einstellungschancen werden in den kommenden Jahren in allen Fächern steigen, so dass mittel- und langfristig gute bis sehr gute Einstellungschancen bestehen. Deutlich über dem Durchschnitt liegen die Einstellungschancen in den zuvor genannten Fächern.

  • Derzeit steigt der Bedarf an Lehrkräften für das Lehramt an Gymnasien aufgrund der demographischen Entwicklung.
  • Deutlich über dem Durchschnitt liegen die Einstellungschancen mit den Fächern Musik, Kunst, Physik und Informatik (bei ableitbarem Zweitfach ist in den drei letztgenannten Fächern unter Umständen ein Quereinstieg ins Referendariat möglich). Deutlich unter dem Durchschnitt liegen die Chancen mit den Fächern Russisch, Italienisch, Geschichte, Erdkunde und Französisch.
  • Gymnasiallehrkräfte sind – in der Funktion von Studienrätinnen und Studienräten (höherer Dienst) – in einer Vielzahl von Schulformen einsetzbar, beispielsweise auch an Gesamtschulen und beruflichen Gymnasien. Je größer in diesem Punkt die persönliche Flexibilität ist, umso höher sind die Einstellungschancen.
  • Lehrkräfte mit Gymnasiallehramt können ihre Bereitschaft erklären, in Mangelbereichen eine Einstellung im Lehramt an Haupt- und Realschulen anzunehmen (gehobener Dienst). Wird eine solche Stelle angetreten, kann parallel eine Bewerbung als Gymnasiallehrkraft aufrechterhalten werden.
  • Ausblick für Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Nach einem vorübergehenden hohen Bedarf an Gymnasiallehrkräften durch die Rückkehr zu G9 in den Jahren 2021 bis 2023 bleibt dieser in den Folgejahren durch die demographische Entwicklung auf hohem Niveau. Personen, die heute ein Lehramtsstudium beginnen, werden deshalb nach dem Abschluss ihrer Ausbildung voraussichtlich wie zuvor dargestellt in Abhängigkeit von der Fachkombination mäßige bis sehr gute Einstellungschancen vorfinden – je nach Fächerwahl und persönlicher Flexibilität (Schulform, Schulort). Eine Alternative sind die Lehrämter an beruflichen Schulen sowie an Hauptschulen und Realschulen.

  • Insgesamt entscheiden sich zu wenige Lehramtsstudierende für das Lehramt an beruflichen Schulen.
  • Die Einstellungschancen unterscheiden sich allerdings je nach beruflicher Fachrichtung, besonders gute Einstellungschancen bestehen in den Fachrichtungen Elektrotechnik, Metalltechnik, Informatik, Chemie-, Physik- und Biologietechnik (CHPB) sowie Sozialpädagogik. Bei den allgemeinbildenden Fächern sind vorrangig die Fächer Ethik, evangelische und katholische Religion, Physik, Mathematik gesucht. Einige Fachrichtungen, wie zum Beispiel Elektrotechnik und Metalltechnik, sind zudem für den Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst geöffnet. Dies gilt auch für solche Fachrichtungen wie Sozialwesen/Sozialpädagogik, für die in Hessen kein spezielles Lehramtsstudium existiert.
  • Für Studierende der Fachrichtungen Metalltechnik, Elektrotechnik, Gesundheit, Informatik sowie Chemie-, Biologie und Physiktechnik besteht an den Universitäten in Kassel und Darmstadt ein besonderes Förderprogramm, bei dem bereits während des Masterstudiums eine finanzielle Förderung von rund 1000€ pro Monat gewährt wird. Zudem findet dort bereits während des Studiums eine stärkere Verzahnung zwischen Studium und Schule statt, so dass die Studierenden schon früh Praxiserfahrung sammeln und der anschließende Vorbereitungsdienst unter Umständen verkürzt werden kann.
    Weitere Informationen zur MasterförderungÖffnet sich in einem neuen Fenster
  • In der Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung sind die Einstellungschancen regional sehr unterschiedlich. Während die Einstellungschancen in Nordhessen aufgrund eines großen Lehrkräfteangebots nur befriedigend sind, bieten sich Bewerberinnen und Bewerbern im erweiterten Rhein-Main-Gebiet gute bis sehr gute Einstellungschancen. Studierende in Kassel sollten deshalb bereits nach dem Studium erwägen, sich für den Vorbereitungsdienst im Rhein-Main-Gebiet zu bewerben.
  • Ausblick für Studienanfängerinnen und –anfänger: Die derzeitigen zuvor geschilderten fachrichtungs- und fächerspezifischen sowie regionalen Einstellungschancen werden sich voraussichtlich über die kommenden Jahre leicht verbessern. Zudem ist über alle Fachrichtungen hinweg aufgrund der demographischen Entwicklung zu Beginn der 30er-Jahre mit steigenden Schülerzahlen an den beruflichen Schulen und damit verbunden einem leicht ansteigenden Gesamtbedarf an Lehrkräften zu rechnen.

  • In Hessen werden in Absprache mit den anderen Bundesländern nur die Förderschwerpunkte Lernen, geistige Entwicklung, emotionale und soziale Entwicklung und Sprachheilförderung ausgebildet. In den Fachrichtungen körperliche und motorische Entwicklung, Hören sowie Sehen ist Hessen auf Absolventinnen und Absolventen aus anderen Bundesländern angewiesen.
  • Der Bedarf an Lehrkräften mit dem Lehramt für Förderpädagogik ist aufgrund einer Schwerpunktsetzung der Hessischen Landesregierung im Bereich Inklusion derzeit sehr hoch. Das Lehrkräfteangebot reicht für diesen Bedarf trotz des im Jahr 2017 begonnenen kontinuierlichen Ausbau der Studienkapazitäten noch nicht aus. Daher bestehen aktuell hessenweit sehr gute Einstellungschancen in allen Förderschwerpunkten und ganz besonders in jenen, die in Hessen nicht ausgebildet werden.
  • Ausblick für Studienanfängerinnen und Studienanfänger: Voraussichtlich bleiben die Einstellungschancen über einen längeren Zeitraum hinweg bis in die 30er Jahre sehr gut.

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