Das Schulentwicklungsprogramm „Hessische Europaschulen (HES)“ wurde Anfang der 1990er Jahre ins Leben gerufen und steht im Kontext der europäischen Einigungs- und Transformationsprozesse nach dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung. Auch wenn die europäische Einigung heute mehr denn je vor großen Herausforderungen steht, ist es nach wie vor Ziel des Schulentwicklungsprogramms, Schülerinnen und Schüler von der europäischen Einigung zu begeistern, sie auf ein zusammenwachsendes Europa vorzubereiten und die europäische Dimension von Bildung im schulischen Alltag zu verankern.
Im Mittelpunkt standen von Beginn an zentrale Entwicklungsbereiche wie interkulturelles Lernen, die Öffnung von Schule in das gesellschaftliche Umfeld, reformpädagogische Ansätze sowie die Weiterentwicklung schulischer Qualitäts- und Organisationsstrukturen. Diese Schwerpunkte wurden im Rahmen der Programmentwicklung in den letzten 35 Jahren kontinuierlich weitergeführt und aktualisiert.
Ein bedeutender Entwicklungsschritt war die stärkere Orientierung an kompetenzbasierten Bildungsansätzen. So wurde unter anderem ein kompetenzorientiertes Curriculum zur europäischen Dimension und zum interkulturellen Lernen erarbeitet, das die schulische Arbeit inhaltlich weiter profilierte.
Die HES haben in mehr als 35 Jahren Pilotschularbeit in unterschiedlichen Bereichen der hessischen Bildungslandschaft maßgebliche, innovative Impulse gesetzt: unter anderem im Ausbau ganztägiger Bildungsangebote, in der eigenständigen Gestaltung schulischer Entwicklungsprozesse, der selbstständigen Verwaltung von Budgets sowie in der systematischen Qualitätsentwicklung und Erarbeitung programmbezogener, datengestützter Evaluationsverfahren.
In den vergangenen Jahren wurde das Programm auch angesichts zunehmender demokratiegefährdender Entwicklungen in Europa weiterentwickelt und stärker auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen ausgerichtet. Dabei stehen die Förderung demokratischer Bildung, interkultureller Kompetenzen sowie nachhaltigen Handelns im Mittelpunkt. Dies war auch ein Grund dafür, den „Reference Framework of Competences for Democratic Culture (RFCDC)“ des Europarats zu Beginn des Schuljahres 2024/2025 in die Arbeit der HES mit aufzunehmen.
Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Programms erfolgt unter Leitung des Fachreferats II.6 im Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen (HMKB) in enger Zusammenarbeit mit der Steuergruppe sowie der wissenschaftlichen Begleitung im Programm, die aktuell von Herrn Dr. Rolf Gollob, Prof. emeritus Pädagogische Hochschule Zürich, wahrgenommen wird.
Ziel des Schulentwicklungsprogramms „Hessische Europaschulen“ wird es auch für die Zukunft sein, Impulse für die Schulentwicklung im Bildungsland Hessen zu setzen und damit einen hessischen Beitrag zur Weiterentwicklung des Schulwesens in einem freiheitlich-demokratischen Europa und einer global vernetzten Welt zu leisten.