Lesen, Schreiben und Rechnen sind die Grundlage für erfolgreiches Lernen in allen Fächern. Das Bildungschancenpaket erweitert deshalb schrittweise die Unterrichts- und Förderangebote in Deutsch und Mathematik. Ergänzt werden sie durch digitale Lernsysteme, Fortbildungen und eine bedarfsgerechtere Lehrkräftezuweisung nach Sozialindex.
Starke Grundlagen
Grundkompetenzen und individuelle Förderung
Sprachliche Basiskompetenzen bilden die Grundlage für das Lernen in allen Fächern. Ab dem Schuljahr 2028/2029 erhalten alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe eins deshalb eine zusätzliche Deutschstunde. Mit dann sieben Deutschstunden pro Woche entsteht mehr Raum für intensive Übungs- und Förderphasen beim Lesen und Schreiben. Zu Beginn der Legislatur erhielten schon die zweiten Klassen eine siebte Deutschstunde in der Woche.
Über die Einführung des Hessischen Lesebands wurde bereits in der vergangenen Ausgabe von „Schule aktuell“ berichtet. Die erste Phase beginnt im Februar 2027 an 100 Grundschulen des Startchancenprogramms. In den Jahrgangsstufen drei und vier sind täglich 20 bis 25 Minuten Lesezeit vorgesehen. Die Schulen legen selbst fest, wann sie die fachunabhängige Lesezeit in den Schulalltag integrieren. Ab dem Schuljahr 2028/2029 wird das Hessische Leseband für alle Grundschulen in den Jahrgangsstufen drei und vier verpflichtend.
Ziel ist es, die Leseflüssigkeit als Grundlage für das Textverstehen zu stärken. Je sicherer, genauer und flüssiger Kinder lesen, desto mehr Aufmerksamkeit steht ihnen für das Erfassen von Inhalten und Zusammenhängen zur Verfügung. Da unterschiedliche Leseerfahrungen und Unterstützungsmöglichkeiten außerhalb der Schule nicht vorausgesetzt werden können, schafft die verbindliche Lesezeit verlässliche Fördermöglichkeiten für alle Schülerinnen und Schüler und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur mehr Bildungschancen.
Eine gestärkte Lesekompetenz wirkt über den Deutschunterricht hinaus. Sie unterstützt beispielsweise das Verständnis von Textaufgaben in Mathematik sowie die Erschließung von Sachtexten und fachlichen Zusammenhängen. Zugleich schafft eine sichere Leseflüssigkeit wichtige Voraussetzungen für die weiterführende Schule, in der die Schülerinnen und Schüler zunehmend komplexe Texte lesen, Informationen erschließen und selbstständig Wissen erwerben.
Für die Umsetzung werden geeignete Texte und Materialien bereitgestellt. Zum Einsatz kommen insbesondere Lautleseverfahren wie Lautlesetandems, wiederholtes Lesen und Vorlesetheater.
Ab dem Schuljahr 2027/2028 beginnt außerdem der schrittweise Aufbau eines digitalen Deutsch-Lernsystems mit einem ersten Schwerpunkt auf der Sekundarstufe. Maßgeschneiderte Aufgaben ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, Inhalte im jeweiligen Lerntempo zu üben und zu vertiefen.
Mit verpflichtenden Mitlaufkursen erhalten Kinder zusätzliche Unterstützung beim Einstieg in den Mathematikunterricht. Im Schuljahr 2027/2028 werden die Kurse in der Jahrgangsstufe eins eingeführt, im Schuljahr 2028/2029 folgt die Jahrgangsstufe zwei. Die Teilnahme wird auf Grundlage einer Erhebung der Lernausgangslage durch die Fachlehrkraft nach Schulbeginn festgelegt.
Die Mitlaufkurse finden einmal pro Woche zusätzlich zum regulären Mathematikunterricht in Kleingruppen statt. Schulen können die Kurse zeitlich flexibel in den Schulalltag integrieren.
Ergänzend wird eine regelmäßige Mathezeit für die Jahrgangsstufen eins, zwei und fünf aufgebaut. Mit einem wöchentlichen Vertiefungstraining von insgesamt 45 Minuten sollen mathematische Basiskompetenzen und Grundrechenarten systematisch geübt und gefestigt werden. Die Mathezeit kann beispielsweise in drei Einheiten von jeweils 15 Minuten aufgeteilt werden. Für die Umsetzung werden Lernbausteine und Unterrichtsaktivitäten bereitgestellt.
Die Mathezeit wird schrittweise eingeführt:
- Im Schuljahr 2027/2028 startet die Pilotphase in der Jahrgangsstufe eins.
- Im Schuljahr 2028/2029 wird die Mathezeit in der Jahrgangsstufe eins verpflichtend. Gleichzeitig beginnen die Pilotphasen in den Jahrgangsstufen zwei und fünf.
- Im Schuljahr 2029/2030 wird die Mathezeit auch in den Jahrgangsstufen zwei und fünf verpflichtend.
Für die Jahrgangsstufen fünf und sechs werden außerdem einstündige Mathematik-Basiskurse entwickelt, die den regulären Fachunterricht ergänzen. Gerade beim Übergang in die weiterführende Schule bringen Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Lernstände mit. Eine Erhebung der Lernausgangslage durch die Fachlehrkraft nach Schulbeginn ermöglicht es, den Unterstützungsbedarf frühzeitig zu erkennen und die Teilnahme am Basiskurs gezielt festzulegen. Die Pilotphase beginnt im Schuljahr 2028/2029. Ab dem Schuljahr 2029/2030 können Schulen das Angebot freiwillig einführen.
Ab sofort steht allen Schulen mit „bettermarks“ ein digitales Mathematik-Lernsystem für die Jahrgangsstufen drei bis 13 zur Verfügung. Die Plattform bietet passende Aufgaben für unterschiedliche Lernstände und kann bei der Einführung und Erarbeitung neuer Inhalte, bei Hausaufgaben sowie beim Üben und Vertiefen eingesetzt werden. Schülerinnen und Schüler erhalten unmittelbare Rückmeldungen und können in ihrem eigenen Tempo arbeiten. Maßgeschneiderte Aufgaben und interaktive Tafelbilder unterstützen Lehrkräfte dabei, Lernprozesse differenziert zu gestalten und zu begleiten. Weitere Informationen über „bettermarks“ erhalten Sie unter folgendem Link: bettermarks: Gezieltes, adaptiertes Lernen im Mathematikunterricht | Hessen Kultus
Begleitend werden die Fortbildungsangebote für Mathematiklehrkräfte weiter ausgebaut. Dazu gehört das dreijährige Programm „QuaMath“, das sich an Lehrkräfte aller Schulformen richtet. Weitere Angebote mit einem Schwerpunkt auf der Primarstufe und der Sekundarstufe I werden schrittweise auf alle Schulformen ausgeweitet.
Auch die sozialindizierte Lehrkräftezuweisung wird bedarfsgerechter gestaltet. In den Schuljahren 2027/2028 und 2028/2029 werden jeweils 100 zusätzliche Stellen für Schulen bereitgestellt. Damit steigt die Zahl der nach Sozialindex-Kriterien zugewiesenen Stellen auf insgesamt 550. Schulen erhalten dadurch zusätzliche personelle Ressourcen, um Bildungsaufstieg und individuelle Förderung gezielt zu stärken.