Hessisches Kultusministerium überführt den Schulversuch zur Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung (BÜA) zum Schuljahr 2027/2028 in die Regelform
Zum Schuljahr 2017/2018 startete der Schulversuch BÜA in einer ersten Phase. In einer zweiten Phase wurde der Schulversuch zum Schuljahr 2021/2022 verlängert und an insgesamt 39 beruflichen Schulen in Hessen angeboten. Das Hauptziel der BÜA ist es, Schülerinnen und Schülern einen bestmöglichen Übergang in ein duales Ausbildungsverhältnis zu ermöglichen. Erreicht werden soll dies durch eine umfassende berufliche Orientierung mit Betriebsphasen und der Förderung überfachlicher und fachlicher Kompetenzen. Darüber hinaus können die Jugendlichen allgemeinbildende Schulabschlüsse erwerben.
Zum Schuljahr 2027/2028 wird der Schulversuch BÜA in die Regelform überführt und damit hessenweit an 92 öffentlichen beruflichen Schulen angeboten. Die Zweijährige Berufsfachschule und die Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung in Vollzeitform werden dabei in die BÜA überführt, um das berufsschulische Übergangssystem in Hessen einfacher und transparenter zu gestalten.
Ziel
Das primäre Ziel der BÜA ist es, Schülerinnen und Schüler ohne oder mit Hauptschulabschluss bereits nach einem Schuljahr in ein passgenaues duales Ausbildungsverhältnis zu vermitteln. Schülerinnen und Schüler mit qualifizierendem Hauptschulabschluss, die einen Ausbildungsberuf anstreben, für den der mittlere Abschluss benötigt wird, können diesen erwerben und anschließend die passende (duale) Ausbildung beginnen. Hierzu findet eine enge Verzahnung zwischen Schulen, der Schulsozialarbeit, den Betrieben, der örtlichen Agentur für Arbeit und den Kammern statt.
Zielgruppe
In der BÜA können Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden, die
- in das 9. Schuljahr einer allgemeinbildenden Schule versetzt wurden,
- noch keine duale Berufsausbildung absolviert haben,
- bei Schuljahresbeginn noch keine 18 Jahre alt sind (Stichtag: 01.08.),
- keinen Hauptschulabschluss ODER einen berufsorientierten Abschluss ODER einen (qualifizierenden) Hauptschulabschluss besitzen,
- noch keine Zweijährige Berufsfachschule/BÜA/Berufsvorbereitungsmaßnahme in einer anderen Fachrichtung länger als ein Jahr besucht haben,
- Schülerinnen und Schüler aus Intensivklassen und InteA-Klassen mit angemessenem Sprachniveau,
- Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Aufbau und Unterrichtsangebote
Die BÜA ist in den einjährigen und den zweijährigen Bildungsgang gegliedert. Der einjährige Bildungsgang bereitet Schülerinnen und Schüler ohne und mit Hauptschulabschluss innerhalb eines Schuljahres auf den Übergang in eine duale Ausbildung vor. Zudem haben Schülerinnen und Schüler ohne Hauptschulabschluss die Möglichkeit einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Abschluss zu erlangen.
Der zweijährige Bildungsgang der BÜA richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit qualifizierendem Hauptschulabschluss, die den mittleren Abschluss zur Erlangung ihrer beruflichen Ziele benötigen.
Im einjährigen Bildungsgang und im ersten Ausbildungsabschnitt des zweijährigen Bildungsgangs findet der Unterricht in kleinen Lerngruppen (maximal 16 Schülerinnen und Schüler) statt. Es werden 30 Wochenstunden Unterricht an fünf Tagen erteilt. Zum Stundenplan gehören im allgemeinen Lernbereich die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch, Sport, Religion/Ethik, Wahlpflichtunterricht und Politik & Wirtschaft. Hinzu kommt der Unterricht im beruflichen Lernbereich.
Durch den Unterricht im beruflichen Lernbereich erhalten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in berufliche Abläufe aus mindestens zwei beruflichen Schwerpunkten aus in der Regel mindestens zwei Fachrichtungen, wie beispielsweise Pflege, Farbtechnik und Raumgestaltung, Metalltechnik, Handel oder Körperpflege und Elektrotechnik. Die erworbenen Kompetenzen, die durch hessenweit einheitliche Kompetenzraster abgebildet werden, geben den Betrieben Aufschluss darüber, inwieweit Schülerinnen und Schüler für ebendiese Schwerpunkte und die zugehörigen Ausbildungsberufe geeignet sind. Betriebsphasen (Praktika) unterstützen die Schülerinnen und Schüler weiterhin in ihrer beruflichen Orientierung und, wodurch sie die spezifischen Abläufe der betrieblichen Praxis besser kennenlernen können.
Die allgemeinbildenden Fächer Deutsch, Mathematik und gegebenenfalls Englisch werden individualisiert nach kompetenzorientierten Eingangsdiagnostiken entsprechend der Zugangsbedingungen und Anschlussmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler unterrichtet.
Zusätzlich werden die Schülerinnen und Schüler in vier Profilgruppenstunden wöchentlich umfassend bei der Berufswahl und dem Bewerbungsprozess beraten und unterstützt. Sie reflektieren hier den eigenen Lernprozess, entwickeln ihre sozialen und persönlichen Kompetenzen.
Im zweiten Ausbildungsabschnitt des zweijährigen Bildungsgangs werden 30 Wochenstunden Unterricht an fünf Tagen erteilt. Zum Stundenplan gehören im allgemeinen Lernbereich die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik, Sport, Religion/Ethik, Politik & Wirtschaft und Naturwissenschaften. Der Unterricht im beruflichen Lernbereich wird in einem fest gewählten Schwerpunkt in Theorie und Praxis unterrichtet und es werden zwei Stunden Profilgruppenunterricht erteilt. Damit wird die Berufswahlentscheidung der Schülerinnen und Schüler gefestigt.
Besonderheiten
Zur Steigerung der überfachlichen Kompetenzen (Softskills) erhalten die Schülerinnen und Schüler durch sogenannten Profilgruppenunterricht im einjährigen und zweijährigen Bildungsgang der BÜA einen bewertungsfreien Rahmen, in dem sie gemeinsam im Profilgruppenverband und mit einer Profilgruppenehrkraft – unterstützt durch sozialpädagogische Betreuung – an zentralen Einheiten der überfachlichen Kompetenzen arbeiten können, um einen Kompetenzzuwachs im persönlichen Bereich zu erlangen, der nicht zuletzt auch für das Bestehen auf dem Ausbildungsmarkt relevant ist.
Darüber hinaus setzen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit ihren Stärken und Schwächen, mit Berufsbildern sowie Ausbildungswünschen und -möglichkeiten auseinander. Sie suchen nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen, schreiben Bewerbungen, simulieren Einstellungstests und Vorstellungsgespräche. Zudem werden die Erfahrungen aus den Betriebsphasen (Praktika) und die schulischen Leistungen „genau unter die Lupe genommen“ sowie die weitere schulische und berufliche Laufbahn mit den Jugendlichen geplant.