Vom nächsten Schuljahr an führt Hessen schrittweise das verpflichtende und versetzungsrelevante Fach „KI und Digitale Welt“ an den weiterführenden Schulen ein – beginnend in allen fünften Klassen. Damit wird KI in Hessen zu einem Schulfach – deutschlandweit erstmalig. Die Vorbereitungen haben begonnen – unter anderem auf der Amerika-Reise des Bildungsministers in Wisconsin.
Derzeit geht es an die Entwicklung eines eigenen Kerncurriculums. Das Fach greift bewährte Kompetenzmodelle auf und ergänzt sie um aktuelle Kompetenzen in den Bereichen Medienbildung und künstliche Intelligenz. Ein mehrstufiges Beteiligungsverfahren wird sicherstellen, dass Erfahrungen aus der schulischen Praxis frühzeitig einbezogen werden.
Die Entwicklung wird wissenschaftlich durch Fachleute aus den Bereichen Informatik, Medienbildung und Lehrkräftequalifizierung begleitet. Neben der Goethe-Universität Frankfurt, die bereits im vorgeschalteten Schulversuch „Digitale Welt“ ein erfahrener Kooperationspartner ist, werden weitere Hochschulen aus Hessen einbezogen.
Bildungsminister Armin Schwarz besuchte dazu gerade im amerikanischen Partner-Bundesstaat Wisconsin unter anderem Forschungseinrichtungen und ein KI-Labor der Universität von Wisconsin, dazu ein Technik-College. Die Austausche vor Ort lieferten wichtige Anknüpfungspunkte für KI-Bildung, Berufsorientierung, unternehmerisches Denken bei jungen Menschen, Fachkräftesicherung und die Bildungskooperationen zwischen beiden Regionen.
Geteilt wurden in den Vereinigten Staaten gemeinsame Erfahrungen:
- KI-Kompetenz geht über Anwendungskompetenz hinaus
- Verständnis vernetzter Systeme und Bewahrung eigener Fähigkeiten
- Berufsorientierung mit Fokus auf die Förderung unternehmerischen Denkens
- Transatlantische Bildungszusammenarbeit und Ausbau der Partnerschaft
Neben der reinen Anwendung von KI-Systemen müssen Schülerinnen und Schüler Daten- und Modellverständnis, die kritische Bewertung von Ergebnissen, den Umgang mit Unsicherheit sowie die verantwortliche Nutzung erwerben. Es geht bei künstlicher Intelligenz nicht nur darum, dass junge Menschen sie anwenden, sondern verstehen, kritisch bewerten und sie verantwortungsvoll nutzen können. Darauf ist das neue Schulfach angelegt.
Junge Menschen sollen das Zusammenspiel von Sensorik, Daten, Vernetzung, Automatisierung und KI verstehen und automatisierte Ergebnisse prüfen können. Zugleich gilt: Fachwissen, Urteilsfähigkeit und eigenständiges Problemlösen bleiben in ihren Händen.
Mit dem Fach „KI und Digitale Welt“ werden Fachkompetenzen, interdisziplinäres Denken und die gezielte Arbeit mit KI-Systemen stärker mit der Förderung unternehmerischen Denkens und praktischer Zukunftskompetenzen verknüpft. Die Erfahrungen auf amerikanischer College-Seite zeigen, wie wichtig es ist, die Schülerinnen und Schüler frühzeitig an Ideen von Unternehmertum heranzuführen, etwa mit Blick auf Startup-Gründungen und digitale Geschäftsmodelle. Das Fach „KI und Digitale Welt“ soll junge Menschen auch darauf vorbereiten, als gestaltende und urteilsfähige Persönlichkeiten an unserer digital geprägten Gesellschaft mitzuwirken.
Hessen und Wisconsin verbindet eine rund 50-jährige Partnerschaft, aus der bereits viele Austausche von Schülerinnen und Schülern hervorgegangen sind. Diese bewährte Partnerschaft soll weiter gestärkt werden, indem sich noch mehr hessische Schulen mit Schulen in Wisconsin verbinden. Das Blackhawk Technical College beabsichtigt, eine solche Partnerschaft mit einer hessischen Schule aufzubauen.
Schwarz: „Der Austausch vor Ort mit unseren amerikanischen Freunden hat uns wichtige Impulse gebracht – gerade hinsichtlich der Weiterentwicklung einer modernen digitalen Bildung. Dazu gehört vor allem der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Das ist ein Beispiel dafür, wie wertvoll internationale Partnerschaften wie die mit Wisconsin für uns sind. Wir stärken gemeinsam die digitale Innovation.“